Seti@home

Seth Shostak, der Chefastronom des amerikanischen Seti-Projekts hat eine gewagte These aufgestellt. Innerhalb der nächsten 20 Jahre wird die Menschheit zum ersten Mal Signale einer außerirdischen Intelligenz empfangen.
Melden sich die Aliens bis 2024?
Das Lauschen nach Signalen intelligenter Aliens findet seit 20 Jahren statt. Mit Hilfe von "Seti@home" einem weltweit ausgebauten Projekt in dem mehr als fünf Millionen Freiwillige ihren PC zur Verfügung stellen. Unter dem Überbegriff "SETI - Search for Extraterrestrial Intelligence" werden seit vielen Jahren die großen Radioteleskope auf der Erde dazu genutzt, nach Funksignalen von außerirdischen Lebensformen zu suchen. Doch die Datenmengen, die dabei gesammelt werden, sind riesig. Man kann mit Großrechnern nur eine oberflächliche Analyse durchführen, aber nur ein sehr starkes Signal würde auffallen. Eine genaue Analyse, auch nach schwachen Signalen, würde tausende von Jahren an Rechenzeit benötigen.
Kein Computer der heutigen Zeit kann solch eine gigantische Datenmenge in akzeptabler Zeit berechnen. Deshalb verfiel man an der Universität von Berkeley Californien auf die Idee, die gesammelte Datenmenge des großen Radioteleskops von Arecibo in 200.000 handliche Päckchen (sogenannte Work Units, WUs, jedes ist etwa 350 KB groß) zu zerteilen. Täglich!
Diese WUs werden über das Internet an diejenigen verteilt, welche die SETI Software (den "SETI-Client") auf ihren PC installiert haben. Die Software empfängt eine WU, berechnet diese und sendet das Ergebnis wieder zurück nach Kalifornien. Diese Päckchen lassen sich auf einem normalen Heimcomputer in ca. 5-15 Stunden auswerten. (...inzwischen ist ein "normaler" PC durchaus in der Lage diese Auswertung in ca. 2 Stunden zu erledigen)
Es wird nach Signalen gefahndet, die gleichmäßig bzw. pulsförmig von einer unendlich weit entfernten Quelle kommen. Um solche Signale aus dem natürlichen Hintergrundrauschen und den von Menschen geschaffenen Radiosignalen zu isolieren sind Millionen von Rechenoperationen pro Sekunde aufgenommener Signale notwendig.
Grund zur Ungeduld gibt es genug, aber nach Meinung von Seth Shostak lassen die Lebenszeichen von schlauen Aliens nicht mehr lange auf sich warten. Schon innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte, glaubt der Seti-Chefastronom, werden Erdlinge die ersten Anzeichen fremder Intelligenz im Weltraum entdecken.
Wie das Wissenschaftsmagazin "New Scientist" berichtet, benutzte Shostak zunächst die berühmte Formel seines Seti-Kollegen Frank Drake. Die aus dem Jahr 1961 stammende Gleichung besteht aus sieben Variablen: Wie viele Sterne pro Jahr entstehen, wie viele von ihnen ein Planetensystem besitzen, wie viele der Planeten Leben ermöglichen, auf wie vielen tatsächlich Leben entsteht, auf welchen intelligente Wesen wohnen, wie viele fremde Zivilisationen überhaupt ein Interesse an interstellarer Kommunikation haben, wie lang eine technische Zivilisation besteht.
Die einzelnen Werte haben sich in den letzten Jahre und Monate erheblich gegenüber dem Stand von 1961 verändert - und zwar dahingehend, dass außerirdisches Leben heute als deutlich wahrscheinlicher angesehen wird.
Die Annahmen über die Verbreitung von Sternen mit Planetensystemen wurden so beständig nach oben korrigiert. Beobachtungen insbesondere in der Tiefsee ergaben, dass Leben unter weit ungünstigeren Umständen möglich ist, als es Wissenschaftler noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten haben.
Seth Shostak: "Innerhalb von 20 Jahren werden Menschen außerirdische Signale auffangen." Shostak kam aufgrund der Drake-Formel und aktueller Forschungsergebnisse zu dem Ergebnis, dass allein in der Milchstraße zwischen 10.000 und einer Million Zivilisationen hausen könnten, die Radiosignale ausstrahlen.
Die Zukunft gehört BOINC!
Im Juni 2004 begann die Ablösung des seit Mai 1999 laufende Distributed Computing Projektes SETI@home Classic. Nach den Vorstellungen der Universität von Kalifornien, Berkeley soll mit BOINC (Berkeley Open Infrastructure for Network Computing) eine neue Infrastruktur die positiven Erfahrungen von SETI@home Classic umsetzen und dessen Nachteile vermeiden. BOINC soll die monolitsche Einheit von Projekt und Infrastruktur beenden, die bei SETI@home bisher nur für einen Zweck - die Suche nach Signalen aus dem Weltraum - genutzt werden kann.
Im neuen zweistufigen Aufbau wird BOINC die Entwicklung der Technik für Verwaltung und Verteilung von Daten und Programmen, die Teilnehmerverwaltung und die Statistiken usw. übernehmen. Die wissenschaftlichen Projekte wie SETI@home und Astropulse aus Berkeley, aber auch beliebige andere Projekte, wie z.B. Predictor@home oder ClimatePrediction.net, brauchen sich dieser Techniken dann nur noch zu bedienen.
Das BOINC Framework
Jedes Projekt muss eine eigene Serverinfrastruktur bereitstellen. Mehrere redundante Server zur Lastverteilung und Erhöhung der Verfügbarkeit sind möglich. Der Projektteilnehmer muss sich für jedes Projekt anmelden, erhält jeweils eine Account ID und muss auf seinem heimischen PC das BOINC Clientprogramm installieren.
Innerhalb des BOINC Netzwerkes werden die Accountinformationen und Konfigurationen zwischen den Projekten ausgetauscht, sodass allgemeine Einstellungen an jedem Server vorgenommen werden können bei dem der Teilnehmer eine Account ID hat. Eingestellt werden können dann z. b. auch Dinge wie die Pufferung von WU's, die Nutzung von Festplattenplatz und Netzwerkbandbreite, sowie die Aufteilung der Resourcen unter den Projekten.
