Musik

"Absicht der Gruppe ist es, alle Stilrichtungen und Techniken des heutigen Rock-Spektrums auszubeuten, ohne dessen harten Kern eines direkten Gefühlsausdrucks zu verfehlen." Das schrieb die TIME im Jahre 1970 über eine der erfolgreichsten Rockbands aller Zeiten, die sich trotz teilweise vernichtender Medienkritiken auf Platz 2 der Verkaufszahlen (105 Millionen Kopien) in der USA gerockt haben.
Angefangen hat alles mit den Yarbirds, bei denen Jimmy Page als Gitarrist tätig war, und der Birminghamer Band of Joy, von der John Paul Jones als Bassist, Robert Plant als Sänger und John Bonham als Schlagzeuger kamen. Im September 1968 spielten die vier schon ihre ersten Shows in London, gefolgt von einer kurzen Tour durch Skandinavien. Schon nach kurzer Zeit hatte man sich auf den Bandnamen Led Zeppelin geeinigt. Der Legende nach folgt der Name einem Ausspruch vom The Who Mitglied John Entwistle, der meinte daß Pages Projekt "would go down like a lead balloon". Niemand konnte erahnen welchen Weg die vier noch vor sich hatten.
Als sie im September 1968 ihr ersten Album "Led Zeppelin I" in wenigen als 30(!) Stunden aufgenommen hatten unterschrieben sie einen mit 200.000 US$ ungewöhnlich hoch dotierten Plattenvertrag mit Atlantic Records und tourten 1969 durch die Vereinigten Staaten. Die Mischung aus kräftigem Folk, Blues und Rock erreichte niemals die Charts und doch sind mit "Good Times, Bad Times" und "Communication Breakdown" zwei charakteristische Led Zeppelin-Stücke enthalten. Led Zeppelin tourten ausgiebig und arbeiteten gleichzeitig schon am Nachfolger II.
Noch im selben Jahr hat die Band das auf ihrer U.S./UK- Tour aufgenommen Album "Led Zeppelin II" auf den Markt geworfen und damit ihre erste "Nummer 1 Scheibe" gelandet, die sich zwei Monate nach dem Erscheinen sieben Wochen lang auf Platz eins der amerikanischen Alben Charts hielt und dafür sorgte, dass Led Zeppelin eine der angesagtesten Live- Bands wurden. Eine Veränderung erfuhr der Led Zeppelin Sound 1970, als mit "Led Zeppelin III" ein Album veröffentlicht wurde, dass Einflüsse von britischem Folk zeigt.
Noch tiefer, und vom Folk und der Mystik beeinflusst wurde ein Album, dass sich in den nächsten 25 Jahren 22 Millionen Mal verkaufen sollte. Den Namen des Albums kann man hier nicht erwähnen, da es keinen gibt. Nennen wir das Album einfach "Led Zeppelin IV" Einen Namen hat sich diese Scheibe mit Hits wie "Black Dog", "The Battle Of Evermore" und natürlich "Stairway To Heaven" dennoch gemacht. Vor allem "Stairway To Heaven" hat Geschichte geschrieben, denn ist es nicht der Song der spontan zu Led Zeppelin einfällt? Und das obwohl dieser Song nicht einmal als Single ausgekoppelt wurde!
In der darauffolgenden Tour promoteten sie Led Zeppelin III & IV gleichzeitig und waren trotz einer geringeren Anzahl Konzerte äußerst erfolgreich, denn die Arenen waren nun ein ganzes Stück größer.
Mit dem 1973 erschienen fünften Album der Band "Houses Of The Holy" überzeugten sie mit immerhin 11 Millionen Kopien selbst eingefleischteste Kritiker ihrer Musik. Doch nicht nur mit ihr Album war sie "on top", auch die Tour war 1973/74, einer Zeit in der der Umsatz bei US- Touren um ein Drittel zurückging, als einzige komplett ausverkauft.
1975 folgte dann das nächste Erfolgsalbum "Physical Graffiti" mit dem Led Zeppelin sofort an die Spitze der Charts in den US und dem UK schossen, doch auf der darauffolgenden Tour ereignete sich ein tragischer Verkehrsunfall bei dem Robert Plant und seine Frau lebensgefährlich verletzt wurden. Auf Grund dessen wurde diese Tour abgebrochen und die restlichen Gigs abgesagt.
1976 erschien mit "Presence" dennoch ein weiteres Album, welche aber bei weitem nicht an die Erfolge von "Led Zeppelin IV" oder "Houses of the Holy" anknüpfen konnte. Fans, die sich nun auf die '77er Tour vertröstet hatten wurden schon wieder enttäuscht, denn auch diese Tour wurde abgebrochen, da während der Tournee Plants 7jähriges Kind an einer Mageninfektion verstarb. Zu diesem Zeitpunkt wusste niemand so recht wie es mit Led Zeppelin weitergehen sollte. Wilde Spekulationen über das Ende der Band kursierten, und es dauerte auch bis in den Spätsommer 1978 bevor die Band erstmals wieder ein Lebenszeichen, mit den Aufnahmen zu ihrem achten Studioalbum "In Through The Out Door", welches im legendären ABBA Polar- Studio in Schweden aufgenommen wurde, von sich gab.
Im Anschluss daran folgte eine kleinere Europa Tour, die in der Schweiz, in Holland, in Deutschland, in Belgien, in Österreich und England Station machte.
Als "In Through the Out Door" im September 1979 veröffentlicht wurde, schoss die Platte von null auf eins in den britischen und amerikanischen Album Charts und es folgte eine weitere, ihre letzte Europa Tour. Nach Europa traf sich die Band in Jimmy Pages Haus um für die bevorstehende US Tour zu proben. Doch alles kam ganz anders:
Nach einem durchzechten Tag und einer durchzechten Nacht, erstickte der Drummer der Band, John Bohnham am 25. September, an seinem Erbrochenem. Darauf hin stellte die Band jegliche Aktivteten ein, mit der Erklärung dass es niemals einen Ersatzmann für John und auch keine Band ohne Drummer geben wird. Also löste sich die Band nach Bonhams Tod auf und die Musiker starteten Solokarrieren.
Das ist die Faszination Led Zeppelin: Kritiker hassten sie, die Radiosender ignorierten sie, aber die Band hatte einen unvergleichlichen Erfolg in den Siebziger Jahren. Sowohl mit Plattenverkäufen als auch mit Liveshows. Für eine ganze Generation fungierten sie als Sprachrohr der Gefühle. Seit ihrem Split im Jahr 1980 ist die Legende um Led Zeppelin nur gewachsen. Das liegt zum einen an einer Serie von genau geplanten Album Re-Releases, zum anderen an hunderten Hardrock und Heavy Metal Bands, die auf Led Zeppelins Wegen wandeln und sich noch heute von ihrer Musik inspirieren lassen.
John Paul Jones begann zu produzieren und hat sein Solodebut 1999 mit dem Album "Zooma" gegeben. Nach den Aufnahmen zum Soundtrack für "Death Wish II" stellte Jimmy Page die Outtake- Collection "Coda" zusammen, die im Jahr 1982 veröffentlicht wurde. Im selben Jahr startete auch Robert Plant seine Solokarriere mit dem "Pictures at Eleven" Album.
1984 kamen Plant und Page wieder zusammen um eine All-Star-Band, die "Honeydrippers" zu gründen. Doch nach nur einer EP verließ Plant die Band wieder um sich seinen Soloprojekten zu widmen. Auch Jimmy Page verließ die Honeydrippers wieder um mit Ex-Bad Company Sänger Paul Rogers die Band "Firm" hochzuziehen.
1985 gab es eine Led Zeppelin Wiedervereinigung um bei Live Aid spielen zu können, doch dieser neue Zusammenschluss hielt nicht lange und so löste sich die Band wieder auf.
Drei Jahre später spielten sie dann aber doch wieder zusammen um Atlantics 25. Geburtstag würdig zu begehen. Jimmy Page verbrachte anschließend das Jahr 89 damit, mögliche Titel für die Box "Led Zeppelin" zu sammeln. Diese Vier-CD-Box wurde die meistverkaufte CD-Box aller Zeiten und fand einen würdigen Nachfolger in "The Complete Studio Recordings", einer Box mit zehn CDs, also allen Studioaufnahmen. Ein wahres Juwel in jeder Plattensammlung.
Mitte der 90er Jahre, 1994 um genau zu sein, fand sich Led Zeppelin ein weiteres Mal zusammen, um für MTV das MTV Unplugged mit dem Titel "Unledded" aufzunehmen. Obwohl dieses Unplugged das mit den höchsten Einschaltquoten wurde und Platin erreichte, war man mit den Verkaufszahlen nicht zufrieden und so schien eine endgültige Wiedervereinigung der Band in weite Ferne gerückt.
Dennoch gingen Page und Plant 1995 auf eine erfolgreiche Tour, die dazu führte, dass 1998 ein weiteres Studioalbum der beiden aufgenommen wurde. "Walking into Clarksdale" fuhr äußerst positive Kritiken ein und verkaufte sich gar nicht so schlecht, als sich die Wege von Plant und Page ein weiteres und vorerst letztes Mal trennten.
Jimmy Page ging schließlich mit den Black Crows auf Tour. Sänger Robert Plant schloss sich mit Ex-Cure-Gitarrist Porl Thompson im Studio ein und veröffentlicht im Juni 2002 sein Soloalbum "Dreamland". Bassist John Paul Jones muckt dagegen friedlich vor sich hin und veröffentlicht je nach Laune auch mal ein Album. Wunderschön gelingt ihm dies 2002 mit "The Thunderthief".
Led Zeppelin sind Geschichte, aber im Jahr 2003 schocken sie trotzdem noch einmal die Konkurrenz mit der Live-CD "How The West Was One", die aus dem Stand die Spitze der US-Charts erobert. Die zugehörige DVD enthält fast fünfeinhalb Stunden Material über die Band, darunter alte Fernseh-Interviews und seltene Liveaufnahmen aus den siebziger Jahren.
